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Fliegenfreie Zone im KellerBISSINGEN/Teck. Das Produkt ist eigentlich uralt. Die Chinesen haben daraus schon vor mehr als 2000 Jahren einen Tee gebraut. Dennoch nennt Reinhard Stutz seinen Familienbetrieb "Neues Leben". Stutz züchtet unter hochprofessionellen Bedingungen Kombucha-Kulturen.
Andreas Pflüger Es geht hinunter in den Keller. An der Wand ein Schild: "Fliegenfreie Zone". Mückengitter sorgen dafür, dass sich die Tierchen an dieses Verbot auch wirklich halten. Ein merkwürdiger, saurer Geruch legt sich einem in die Nase, als Reinhard Stutz die Tür zu seinem Reich öffnet. Dieses ist, über den Daumen gepeilt, acht Quadratmeter groß, komplett gekachelt und durch Neonröhren hell erleuchtet. Wären da nicht die großen Fässer und unzählige kleine Schälchen in fast ebenso vielen Gitter-Regalen. Man käme sich vor wie in einem viel zu kleinen Operationssaal. In diesem Labor züchtet der 47-Jährige aus Bissingen/Teck Kombucha-Kulturen. Im Selbstansatz, kombiniert mit Schwarz- oder Grüntee und Zucker, lässt sich daraus ein Getränk herstellen, das schon in der chinesischen Tsin-Dynastie zur Steigerung des Wohlbefindens konsumiert wurde. Lange Zeit war Kombucha auch in Deutschland ein beliebtes Hausmittel, geriet dann allerdings in Vergessenheit. Inzwischen jedoch schwören selbst Hochleistungssportler, wie beispielsweise Sven Hannawald, auf den Gesundheitsdrink. "Das gehört einfach zu meiner Ernährung dazu, unterstützt das Training und schmeckt auch noch sehr gut", sagt der Skispringer aus Hinterzarten. Für Reinhard Stutz stehen die positiven Auswirkungen von Kombucha ohnehin außer Frage: "Viele Leute trinken es, um sich fit zu halten, zur Stärkung ihres Immunsystems oder zum Entschlacken." Allerdings gebe es auch Menschen, die auf den Einsatz des sogenannten Zaubertees bei diversen, meist chronischen Krankheiten schwören. Festlegen lassen will sich der experimentierfreudige Selfmade-Man, der bis vor zehn Jahren noch als Funkelektroniker gearbeitet hat, darauf allerdings nicht. Er ist kein Spinner, und er sieht sich auch nicht als Guru: "Ich verspreche niemandem ewige Gesundheit, nur weil er sich mit meinem Kombucha ein Getränk braut." Dem Zufall überlässt Stutz dennoch nichts. Seine Kulturen - quallenartige, schwabbelige, rosafarbene, handtellergroße Massen - reifen nach dem Originalrezept. "Deshalb ist Kombucha auch kein Pilz", wie der Experte betont. Vielmehr handele es sich dabei um eine Symbiose aus Essigsäurebakterien und verschiedenen Hefen. "Drum riecht's hier auch so komisch", schmunzelt Stutz und zwinkert mit den Augen. Und obwohl, oder gerade weil der zweifache Familienvater weiß, dass seine Naturprodukte von guter Qualität sind, unterwirft er sie der regelmäßigen Kontrolle durch ein externes Labor und gibt seinen Kunden, die überwiegend aus dem pharmazeutischen Großhandel kommen, zudem eine Garantie auf jede einzelne Kultur. Nicht von ungefähr gab es für den Kombucha vom Fuße der Teck sogar eine Pharmazentralnummer (PZN 0015125), die eine Bestellung in jeder Apotheke möglich macht. "Da bin ich landauf, landab der Einzige", sagt der Züchter nicht ohne Stolz. Billiger und gesünderDass die Leute sich ihren Wellness-Schoppen aus dem gelieferten Grundprodukt selbst zubereiten müssen, sieht Stutz dabei nicht als Problem. "Erstens ist das billiger und zweitens viel gesünder als irgendwelche Fertigmischungen." Billiger, weil die Kultur sich ständig erneuert und daher fast unbegrenzt haltbar ist. Gesünder, weil bereits angesetzte Getränke überwiegend nur mit Milchsäurebakterien zubereitet werden. "Außerdem", so Stutz, wird der wichtige Gärungsprozess in der Regel durch die notwendige Pasteurisierung gestoppt". Zwischen 5000 und 6000 "Pilze" reifen Jahr für Jahr in seinem Labor heran, werden in Eigenregie verpackt und nach Bedarf verschickt. Die ganze Familie packt mit an. Auch dabei wird penibelst auf Sauberkeit geachtet. "Meinem Kombucha eilt ein guter Ruf voraus. Den möchte nicht leichtfertig aufs Spiel setzen", sagt Stutz abschließend. Natürlich könne er auch andere, einfachere Wege gehen. "Quantität ist für mich aber nicht alles. Und Schluderei war sowieso noch nie mein Ding." Quelle: Stuttgarter Zeitung vom 04.06.2003www.stuttgarter-zeitung.de Copyright© by Andreas Pflüger
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