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"Göttlicher Tsche" war bereits 200 Jahre vor Christus bekannt


Lebensmittel /
Reinhard Stutz aus Bissingen zieht Kombucha-Pilze für den pharmazeutischen Großhandel


Richard Umstadt

Bissingen  

Der Kellerraum ist weiß gefliest, in Gitter-Regalen stehen Schälchen, deren Inhalt entfernt an rosigen Vanillepudding erinnert, doch deutet der leicht säuerliche Geruch, der in der Luft liegt, auf eine andere Substanz hin. Reinhard Stutz, 48, züchtet hier Kombucha-Pilze.

Bereits in der chinesischen Tsin-Dynastie, 200 v. Chr., galt der Tee aus Kombucha als wahres Lebenselixier. Über Korea, Japan, China, Indien und Russland kam der Teepilz nach Osteuropa. Bis zum Zweiten Weltkrieg war er dort fast in jedem Haushalt anzutreffen. Während des Krieges jedoch geriet der Kombucha in Vergessenheit, da schwarzer Tee und Zucker nur sehr schwer zu beschaffen waren. Beides ist aber zum Gedeihen des Pilzes unerlässlich.

Genau genommen handelt es sich bei der gallertartigen, quallenähnlichen Masse gar nicht um einen Pilz, wie Reinhard Stutz erklärt. "Wir haben hier vielmehr eine Symbiose von Essigsäurebakterien und verschiedenen Hefen." Daher auch der leicht säuerliche Geruch. Die Gärungshefe wandelt den gelösten Zucker in Alkohol um. Gleichzeitig bauen die Essigsäurebakterien an dem gallertartigen Pilzgebilde und lassen den Teepilz langsam wachsen.

Im Labor des Bissingers gedeihen so bis zu sieben Kilogramm schwere Gebilde in weißen Plastikfässern. In den Glasschälchen zieht er Kombucha-Pilze für den Versand. 800 bis 1000 Stück im Monat wachsen in Reinhard Stutz's Labor bei einer Raumtemperatur von 22 bis 25 Grad heran. Hauptabnehmer der organischen Produkte ist der pharmazeutische Großhandel. Sieben bis zehn Tage dauert es, bis der Pilz in der Schale auf etwa 100 Gramm angewachsen ist und damit die richtige Größe entwickelt, um versandt werden zu können.

Reinhard Stutz interessierte sich schon früh für Themen, die mit Naturheilkunde zusammenhingen. Vor zehn Jahren gab er seinen Beruf als Funkelektroniker auf. "Damals begann ich in der klitzekleinen Küche meiner Schwiegermutter Kombucha-Pilze zu ziehen", erzählt der Bissinger. Schließlich sah er sich nach anderen Räumlichkeiten um und fand für seine Familie ein Haus am Rande der Seegemeinde. Dort züchtet er die Pilze weiter, doch bis zum eigenen Vertrieb war es ein langer Weg.

Zunächst verkaufte er über Kleinanzeigen Kombucha-Pilze an Privatleute. Als immer mehr Apotheken anfragten, beantragte Reinhard Stutz eine Pharmazentralnummer. Er erhielt sie nach eingehender Prüfung vor sieben Jahren. Für den Großhandel war es so einfacher, die ungewöhnlichen Fitmacher direkt bei ihm zu ordern. "Von den Aufträgen her gab's einen ordentlichen Ruck."

Wie der überzeugte Kombucha-Pilz-Hersteller sagt, gibt es in Deutschland nicht viele gewerbsmäßige Pilz-Züchter. "Man kann sie an einer Hand abzählen."

Kombucha-Tee wird nicht nur als gesundes Erfrischungsgetränk angesehen, wie Reinhard Stutz sagt. Er verwies dabei auf die Forschungsarbeiten des hessischen Arztes und Kombucha-Spezialisten Dr, Rudolf Sklenar, der für das biologische Hausgetränk hauptsächlich folgende Indikationen sieht: Gicht und sämtliche Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Hautunreinheiten und allergische Ausschläge, beginnende Arteriosklerose, Bluthochdruck und vegetative Disregulationen. Außerdem wird Kombucha bei sämtlichen Stoffwechselentgleisungen, zur Vorbeugung wie zur Behandlung von Alterskrankheiten und als Kräftigungsmittel empfohlen.

Wie wird nun dieses aus China stammende "Lebenselixier" hergestellt? Dazu Reinhard Stutz: "Sie brühen einen Liter schwarzen oder grünen Tee auf und lassen ihn rund fünf Minuten ziehen. Dann geben Sie Zucker in ein heiß ausgespültes größeres Einmachglas oder ein ähnliches Gefäß. Der Tee wird durch ein Sieb direkt in das Glas abgegossen, gut umgerührt und auf Zimmertemperatur abgekühlt. Nun geben Sie den Pilz zusammen mit der Starterflüssigkeit dazu, verschließen das Glas mit einem Tuch und Gummiring und stellen es an einen warmen Ort, an dem nicht geraucht wird. Dort bleibt es je nach Geschmack fünf bis zehn Tage stehen. Danach wird die Flüssigkeit durch ein Sieb gegossen und in Flaschen gefüllt."

Wer sich selbst die Mühe nicht machen will, kann dennoch in den Genuss des belebenden Getränks kommen. Seit Jahren gibt es Kombucha auch in Supermärkten.

Quelle: Der Teckbote, vom 15.03.2003
www.teckbote.de
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